Tjardo's Ausbildungstagebuch 2016


Tjardo, geb. 05.02.13 in Spanien.

Sandra Mauer ließ ihn im Dezember 2015 nach Deutschland bringen und verkaufte ihn mir im Februar 2016.

Am 28.02.16 war es dann so weit- ich holte Tjardo bei Sandra ab! Da er aus Spanien mit dem Lastwagen gekommen war, sollte er das Fahren schon kennen. Und doch war ich ziemlich aufgeregt, ob er sich denn problemlos verladen lassen und die Fahrt einigermaßen stressfrei überstehen würde.

Sandra hatte ihn als recht mutig und selbstbewusst angekündigt und war zu Recht zuversichtlich: Tjardo war nach 10 Minuten ganz ruhig auf den Hänger marschiert. Nach einer Stunde und 45 Minuten kamen wir zu Hause an: in einem liebevoll betriebenen Offenstall, den ich zumindest für die erste Zeit für ihn ausgesucht hatte. Viel Auslauf und maximaler pferdischer Kontakt in einer Herde- was braucht ein Jungpferd mehr? Doch es sollte anders kommen... 

Tjardo war in Spanien offenbar nie mit einem Elektrozaum konfroniert worden. Bisher wohl eher in einem von Mauern umgebenen Hinterhof gehalten, gab es für ihn im neuen zu Hause kein Halten vor dem Zaun. Wie auch schon bei Sandra wollte er die für die ersten Wochen notwendige Distanz zur Herde auf keinen Fall  wahren. Seine psychischer und physischer Zustand verriet, welche Not er aus dem Alleinesein und der  mangelden Sorge und Aufmerksamkeit in seinem erst kurzen Leben entwickelt hatte. Um ihn und andere zu schützen und um ihm in Ruhe die Bedeutung von Zäunen zu erklären, galt es also, eine andere Lösung zu finden.

 

März 2016

Zum Glück habe ich in dem Stallbetreiber, bei dem Tino von Anfang an zu Hause ist, einen Jungpferde-erfahrenen Menschen, der mir geduldig und ruhig mit Rat und Tat zur Seite steht und mir nun dabei hilft, Tjardo einzugewöhnen. Der Umzug aus Spanien, der erneute Riss aus der Umgebung und nochmaliger Umzug,- das hat den kleinen Kerl ordentlich Substanz gekostet. Als ausgesprochener Spätentwickler sah er ohnehin nicht aus wie ein Dreijähriger - nun war er zusätzlich mächtig eingefallen. So haben wir ihn direkt nach seinem Einzug gewogen, um seine Entwicklung gut beobachten zu können: 360 Kilo bei einer Größe von 151cm.

Seit nun fast 3 Wochen ist Tjardo nun bei uns und er kommt nun endlich zur Ruhe. Er entwickelt sich zu einem aufgeweckten, fröhlichen Kerlchen. Er steht nun noch bis zum Weideauftrieb am 1. Mai alleine aber unmittelbar neben seiner zukünftigen Herde auf einem gut gesicherten Paddock mit Elektrolitze. Am ersten Tag ist er da 2-3 Mal drangekommen, der arme Kleine. Ich tröste uns damit, dass er nur dann bald zur Herde kann, wenn er gelernt hat, den doofen Zaun zu respektieren. Er scheint es schon verstanden zu haben und zeigt den nötigen Abstand zum Zaun, der ihn zum Glück aber nicht daran hindert, mit den 15 Wallachen nebendran Kontakt aufzunehmen. In der jeden Tag immer wiederkehrenden Routine findet er langsam seine Ruhe und seinen Platz.

Wir haben mit dem kleinen Benimm-Einmaleins begonnen. Hierfür vertraue ich meiner langjährigen Freundin und Horsemanship-Spezialistin Monika Schawacht (www.einfachreiten.de), die mir mit ihrem großen Erfahrungsschatz viel Sicherheit gibt. Gerade das Führtraining trägt bereits tolle Früchte: Tjardo akzeptiert nun schon das disziplinierte Geführtwerden. Wir machen immer längere Spaziergänge. Mal in Begleitung eines anderen Pferdes, mal alleine. Er zeigt sich draussen mutig, neugierig, aufmerksam und gleichzeitig brav und folgsam. Er hat verstanden, dass er an meiner Schulter bleiben muss, auch und gerade wenn er unsicher wird. Er läuft schon ganz vertrauensvoll mit mir mit, auch wenn er sich beispielsweise vor dem Generator der Wingertsscheren der Winzer fürchtet, die um diese Jahreszeit fleißig in den Weinbergen arbeiten. Außerdem haben wir mit einem weiteren wichtigen Baustein begonnen: Das Hinterhand-Wegschicken.

Auf unserem Hof hat Tjardo schon alle Ecken besichtigt, letzte Woche war er sogar schon auf dem Waschplatz und vor ein paar Tagen hat er sich schon die Beine nass machen lassen...

 

April 2016

Wir haben begonnen, ab und zu  in der Halle und auf dem Platz zu longieren. Die Einheiten gestalte ich sehr kurz, maximal 2x5 Minuten. Er hat schon gut verstanden, wie das Longieren  funktioniert und lässt brav Übergänge anfordern. Der Galopp ist häufig noch "explosiv", aber das darf ruhig sein

Zum reinen Bewegen an der Longe in allen drei Gangarten benutzte ich bisher das Knotenhalfter, um danach noch den Kappzaum aufzuziehen und ihm hier kurz die ersten Übungen im Stand und Schritt zu erklären: Kopf absenken, Oberlinie lösen, Genick rotieren, Stellung und Biegung, die innere Hilfe verstehen... Da ich besonders im Trab und Galopp von der Formgebung noch absehe, sind die Kreise an der Longe natürlich noch nicht wirklich rund, Tjardo fällt auf seine linke Schulter...

 

Cornelia Wos (www.hufschnitzer.de), die Hufbearbeiterin meines Vertrauens, war auch bereits zur ersten Bearbeitung da. Brav hat er sich die Vorderhufe machen lassen, hinten kann er noch nicht lange halten, deshalb ziehen wir die Hinterbeine noch nicht nach hinten raus. Conny hat dennoch zumindest das Nötigste bearbeiten können und in den kommenden Wochen und Monaten wird er in Ruhe lernen, auch die Hinterhufe zu geben.

Mittlerweile sieht Tjardo schon viel besser aus, er ist runder geworden. Ich hoffe, dass er die Überbauung bald ausgleicht. Wieviel er noch wachsen wird? Wann die Brust wohl in die Breite geht? Er hat Zeit und es bleibt spannend...

Tjardo hat 20 kg zugenommen. Außerdem gibt es ein Fundstück der Woche: Meine liebe Freundin Meike hat einen seiner ersten Backenzähne im Trog gefunden. Diese wechseln die meisten Pferde in etwa im Alter von 2,5 Jahren - ein weiterer Hinweis darauf, dass der Kleine, auch rassebedingt, ein "Spätzünder" ist... 

Im Horsemanship haben wir mit Moni begonnen, Tjardo's Schulter auf Distanz zu verschieben. Da ich damit jetzt sowohl seine Vorhand als auch seine Hinterhand ausrichten kann, lässt er sich nun ganz einfach auch schon auf Distanz an einen bestimmten Standpunkt dirigieren. Außerdem habe ich damit begonnen, sein Bewusstsein dafür zu schärfen, dass er 4 Beine hat - er hebt sie auf ein Zeichen bereits entsprechend an, hinten haben wir daraus auch schon das Vorsetzen entwickelt. Er lernt so schnell und ist stolz, wenn er gelobt wird!

Neulich wollte ich das Kruppe-Herein eigentlich nur kurz antesten - er hat es tatsächlich sofort verstanden! Zwar arbeiten wir damit noch nicht aus der korrekten Stellung, aber ich bin völlig begeistert, dass er es offensichtlich vollkommen in Ordnung findet, auf ein Signal von innen mit der Kruppe zu mir hin zu denken... 

Außerdem üben wir weiter fleißig das Hufegeben, damit Conny beim zweiten Termin vielleicht schon die Hinterhufe ein wenig mehr bearbeiten kann.

 

Tjardo wird immer fröhlicher und selbstbewusster. Auf unseren Spaziergängen zeigt er sich weiterhin mutig und meist gehorsam- ab und an möchte er doch noch die Führpositin in Frage stellen  oder zum Thema Grasen diskutieren. Ein junges Pferd eben!  :-).

Ich bin erstaunt darüber, wie diskussionslos er mit mir mitkommt. Er ist bereits fixiert auf die anderen Pferde, aber er entfernt sich trotzdem mit mir von Ihnen und dem Stallgelände.

Neulich ist eine weiße, knittrige Plane von den Heulageballen geweht worden. Diese hat er erst ganz vorsichtig untersucht und hat sich dann prompt von mir ermutigen lassen, sich drauf zu stellen.

Er ist in seinem Verhalten noch sehr babyhaft- und leider wahnsinnig "oral orientiert"- Aus diesem Grund habe ich das Füttern von Leckerlies  etc. aus der Hand bereits vor 3 Wochen bis auf Weiteres vollkommen eingestellt.      

Rein äußerlich hat Tjardo weiter zugelegt und ist wieder deutlich überbaut. Insgesamt sieht er aber runder und harmonischer aus. Conny war das zweite Mal zur Hufbearbeitung da. Wir hatten fleißig geübt und so gab Tjardo diesmal schon fast wie ein Großer seine Hinterfüße- Conny konnte sie jetzt richtig bearbeiten!

Mit Moni haben wir weiter daran gearbeitet, dass Tjardo sich entspannt, wenn ich ihn putze. Noch ist er mehr oder weniger "schnabbelig" und möchte genau sehen, was ich da an seinem Bauch tue. Ich bin nicht sicher, ob er kitzelig ist oder er einfach noch das Loslassen lernen muss. Er ist weiterhin freundlich und fröhlich und allem Neuen aufgeschlossen. Neulich hatte ich für Tino einige Stangen gelegt und sie dann einfach mal für Tjardo liegen lassen- kein Problem für den Kleinen! Nach 2 Runden ist er einwandfrei drübergetrabt...

Wir freuen uns sehr auf den Weideauftrieb am 1. Mai. Endlich bekommt Tjardo das, was ihm am meisten gefehlt hat- die Nähe zu Pferdekumpels. Ich hoffe, dass er das "Zaunproblem" überwunden hat und sich schnell einfinden wird.

 

Mai 2016

Yippieh, Koppelsaison erfolgreich eröffnet! Endlich darf Tjardo mit der Herde hinaus. Der 1. Mai war aufregend- mit ihm kamen noch andere "Neue" dazu und ich habe mehr als ein Mal die Luft angehalten, ob er sich bei den ersten Rennereien doch nochmal entschließt, über den Zaun zu gehen... Aber, er hat seinen Einstand bisher prima gemeistert. Offensichtlich haben ihm die 2 Monate Eingewöhnung gut getan, er hat die ein oder andere Erfahrung mit dem Elektrozaun gemacht :-) und weiß nun, dass ein Zaun nicht einfach so im Weg steht...

Er steht sehr friedlich dabei und saugt die neue Erfahrung auf wie ein Schwamm, die anderen Herdenmitglieder sind alle freundlich zu ihm, weil er brav die Befehle der "Großen" respektiert. Die altersmäßig passenden Kumpels hat er auch schon entdeckt und die ersten Spielchen werden nicht lange auf sich waren lassen... 

 

Ich werde Tjardo nun regelmäßig auf dieselbe Arte und Weise fotografieren, um seinen Wachstum und seine Veränderung in Bildern festzuhalten. Die folgenden Bilder sind vom 11. Mai. Er ist momentan klar überbaut. Ich hoffe nach wie vor, dass sich die Muskulatur langsam entwickelt und im Po-Bereich  und der Schulter auch seine Beine etwas gerade richtet. Wir werden nichts überstürzen, aber sein "Training" hat ja bereits ganz vorsichtig begonnen. Letzte Woche wurde er nochmal gewogen, die Tendenz ist steigend: 384 Kg bei 151cm.

Koppel und Herde tun so gut! Mittlerweile glaube ich, dass Tjardo noch nie Pferdegesellschaft hatte. Er ist sehr vorsichtig und hatte anfänglich vor den anderen Pferden sehr viel Respekt. Um nur ja kein Risiko einzugehen und um nicht sein altes Zaun-Verhalten zu provozieren, bleibt er momentan Vormittags noch getrennt auf seinem Paddock neben der Herde. In den ersten Weidetagen haben wir ihn dann auf den Paddock zur Herde gestellt, kurz bevor der direkte Weidezugang geöffnet wurde. Als nach 10 Tagen dann die große Weide geöffnet wurde, hatte die Herde dann wie jedes Jahr einen abgesperrten "Korridor" zu passieren. Hierüber herrscht bei allen 15 Pferden natürlich immer große Freude, auf den etwa 150 Metern wird schon Anlauf genommen, um übermütig buckelnd erst einmal die riesige Weide abzugaloppieren. Ich habe Tjardo auch hier kurz vorher dazugestellt, damit er einfach der Meute hinterherrennen und das Prozedere kennenlernen kann. Aber was machte er? Als das Treiben losging, stand er erst wie versteinert und kam dann aufgeregt zu mir an den Ausgang gerannt. Er war irritiert, wo denn die anderen hingaloppieren und hatte Angst vor dem, was da passiert... Also nahm ich ihn am Halfter und führte ihn raus auf die Weide...danach war alles gut und er trabte dann ganz selbstbewusst zu den andren. Er kannte definitiv bisher keine Herde, der Kleine. Nun wird es etwas Zeit brauchen, bis er in der Gruppe ankommt und seinen Platz gefunden hat.

 

21.5.16 Eine Wonne! Er hat es kapiert! Mit aufgestelltem Schweif und freudig buckelnd ist Tjardo heute inmitten der Herde auf die Weide galoppiert. Es ist so schön mit anzusehen, wie er sein neues Leben aufsaugt...

Vor einigen Tagen habe ich Tjardo das Reitpad gezeigt. An Reiten denke ich noch lange nicht, das hat natürlich noch sehr, sehr viel Zeit - aber wenn es irgendwann einmal so weit ist, hat er genug Neues zu verarbeiten. So denke ich, kann ich ihm ein belangloses Pad auf dem Rücken ruhig schon mal zeigen. Er duftre es eingehend begutachten und ich durfte es anschließend auf seinen Rücken legen. Parallel zeigte mir Moni, wie ich ihn mit dem langen Führseil schon mal an einen am Bauch verlaufenden Gurt gewöhne. Nach ein paar Mal ließ ich den Gurt des Pads schon seitlich baumeln und schließlich durfte ich ihn anstandslos ganz locker schließen. So lasse ich ihn jetzt immer mal mit dem Pad laufen, mittlerweile nimmt er es schon gar nicht mehr wahr. 

 

Außerdem habe ich neulich meinen Pferdeanhänger mitgebracht. Ich möchte Tjardo ganz ungezwungen und mit Ruhe daran gewöhnen. Er kam ja schon aus Spanien und von Sandra hatte ich ihn mit dem Hänger geholt. Das war sehr ruhig abgelaufen, Tjardo ist eigentlich sowieso ein unerschrockener Charakter. Aber jetzt, wo er bei mir ist, möchte ich das Verladen und Fahren mit ihm direkt so üben, dass er Sicherheit bekommt und auch in Zukunft nie damit Stress hat. Ich möchte nicht eines Tages "müssen" und ihn nicht verladen können. Das gibt auf beiden Seiten unnötiges Adrenalin. Also- Mittagsfutter in den Hänger und los. Es war gar kein Problem, ich ließ ihn in Ruhe schauen und richtete ihn mit den bereits erlernten Hilfen gerade an der Rampe aus. Es dauerte keine Minute, dann kam er mit mir. Ich schickte ihn mehrmals wieder raus und nahm ihn wieder mit hinein. Mission erfüllt! Das werden wir jetzt regelmäßi wiederholen, bis wir soweit sind, dass ich draussen bleiben und ihn alleine hineinschicken kann. Wir werden das mit Moni sorgfältig vorbereiten. Danach erst wird gefahren.

 

Wir haben unsere Einheiten auf insgesamt etwa 20-30 Minuten verlängert, arbeiten spielerisch und Tjardo bekommt seine Pausen. Mal treten wir über Stangen, mal longiere ich am Knotenhalfter und kombiniere Horsemanship-Arbeit, mal machen wir Bodenarbeit am Kappzaum. Das Kruppeherein funktioniert nun beidseitig schon in Stellung. Ich frage nur ein paar Tritte, linke Hand ist deutlich schwieriger, da er hier lieber auf seine linke Schulter schieben würde - aber es wird!  Aus der Übung haben wir auch das "Herantreten" entwickelt: Ich stehe auf einem Trittchen und Tjardo tritt seitlich zu mir heran. Aufsteigen wäre also vorbereitet ;-) Doch das hat noch lange Zeit. Wir machen alternativ auch weiterhin schöne Spaziergänge, ich laufe bewusst mit ihm bergauf und bergab, damit er sich sortieren lernt.

  

Juni 2016

 

Der Sommer macht leider eine Pause und es regnet sehr viel, weshalb wir in den letzten Tagen etwas weniger spazieren waren.

Aber es gibt ja sonst genug zum Üben: Wann immer ich Zeit habe, ist der Pferdeanhänger dabei. Kürzlich hatten wir für eine Woche einen "Salzhänger" bei uns stehen, auf den Tjardo ebenfalls anstandslos mit draufging. So habe ich damit begonnen, ganz kurze Fahrten mit ihm zu machen. Fahrten, die immer wieder zu Hause im Stall ankommen, damit er lernt, dass es immer wieder nach Hause geht. Die erste Fahrt ging nur den Berg hinunter, wo wir drehten und wieder zurückfuhren. Meine Freundin Claudia war mit dabei, denn alleine Verladen möchte ich noch nicht. Tjardo war nach dieser Fahrt von 10 Minuten allerdings schweißgebadet. Ich war davon ausgegangen, dass er, wie bei seinem ersten beiden Fahrten (aus Spanien und aus Nidda) recht ruhig bleibt. Nun...gibt es für seine Aufregung natürlich Interpretationsspielraum. Ich bin überzeugt, dass Tjardo, der ja vorher nichts zu verlieren hatte, eine gewisse Verlustangst an den Hänger knüpft. Bisher bedeutete jede Fahrt wieder einen neuen Anfang. Jetzt, da er auch innerlich angekommen scheint, erinnert er sich natürlich nicht gerne daran. Auch das wird er lernen: Ich bin die Letzte, die die Tür schließt und ich bin die Erste, die sie wieder öffnet. Er muss nicht mehr weg von zu Hause. Das üben wir stetig, ich versuche einmal die Woche eine kurze Fahrt einzubauen und er wird ruhiger. 

 

Im Stall hat Tjardo eine schöne, helle Box bezogen, in der er sich pudelwohl fühlt. Die Pferde stehen nur abends und nachts darin aber in dieser sieht er viel und hat nach allen Seiten seine Kumpels. Der Spielball, den er von Claudia geerbt hat, wurde von ihm abends in der Box derart bearbeitet, dass er bereits nach einer Woche den Geist aufgab. :-))

Der tägliche Umgang mit ihm ist mittlerweile wunderbar einfach und ruhig. Tjardo ist bei Weitem nicht mehr so "schnabbelig", er seht ruhig und brav beim  Putzen und auch das Abduschen geht viel besser. Hier möchte er immer mit dem Wasserstrahl spielen und zappelt, wenn das Wasser seine Hinterbeine berührt, aber erlässt es sich doch gefallen.

Die Hinterhufe gibt Tjardo mittlerweile ohne Probleme. Er kann sich ausbalancieren und hat darin nun so viel Routine, dass Conny alle 4 Hufe in Ruhe bearbeiten kann.

Seit Anfang Juni steht Tjardo nun ganztags in der Herde. Das bedeutet morgens bis 11:30 auf dem großen, befestigten Paddock und dann auf der Weide bis abends. Es ist herrlich zu beobachten, wie schnell er seinen Platz gefunden hat und wie wichtig das Herdenleben für die Entwicklung seiner Persönlichkeit war und ist. Er ist nach wie vor zwar respektvoll aber nicht mehr ängstlich und verteidigt mittlerweile auch sein Recht, an den Ranghöheren vorbei zu kommen, wenn ich am Eingang des Auslaufs stehe und ihn hole. Für mich ist es manchmal schwierig, denn wenn ich auf die Weide komme, sichten mich natürlich meine beide Pferde, auch auf 200m Entfernung.  Beide kommen zu mir, meist unter Tinos heftigem Protest. Dann holen sich beide ihre Begrüßung ab, wobei ich aufpassen muss, dass Tino den Kleinen nicht versucht zu beißen. Der aber hat schnell verstanden, dass Tino der Platzhirsch ist, besteht zwar auf seinen Platz an meiner Seite, nicht aber darauf, Tino unbedingt zuvorzukommen. Er kommt mit gebührendem Abstand und zieht wieder seines Weges. Das ist auch gut so, der Kleine ist einfach zufrieden mit dem, was er hat. Tino ist grundsätzlich sehr (futter-)neidisch und charakterlich sehr unterschiedlich: Eher unsicher, extrem auf "seinen Menschen" fixiert und eher ein Einzelgänger. Er hat eine handvoll Kumpels, mit denen er spielt und Fellpflege macht, die anderen Pferde interessieren ihn nicht besonders. Mir ist bei aller Mühe um den kleinen Tjardo sehr wichtig, dass mein Seelenpferd Tino mit der Situation gut umgehen und leben kann. Wenn ich sie aus der Entfernung beobachte, sind sie vollkommen friedlich miteinander. 

 

Tjardo hatte die ersten Wochen der Eingewöhnung nicht einen Kratzer. Jetzt, wo er das Spielen begonnen hat, gab es den ersten "Schmiß" am Jochbein. Nicht schlimm, aber da es durch einen Schlag passiert sein muss, hat die Knochenhaut reagiert und ihm eine pflaumengroße Beule beschert. Nach Rücksprache mit der Tierärztin haben wir zwei Blutegel angesetzt und Tjardo bewies einmal mehr, was er für eine "coole Socke" er ist. Ganz brav hat er das geschehen lassen und siehe da- 3 Tage später war die Beule nicht mehr zu sehen! 

Juli 2017

Anfang des Monats habe ich Tjardo mal wieder so fotografiert, dass ich den Fortschritt seiner körperlichen Entwicklung gut sehen und vergleichen kann: Und es hat sich was getan! Im Laufe des Monats werden wir nochmal wiegen...

Auf unseren Spaziergängen hat Tjardo Bekanntschaft mit Kühen und Eseln gemacht, wobei ihn letztere brennend interessierten :-)

Wir arbeiten nun regelmäßig etwa 3 -4 Mal die Woche etwa 2o Minuten "akademisch" und bauen dies spielerisch in unsere anderen Beschäftigungen ein. Neulich waren wir spazieren und haben dann auf einem freien, frisch gemähten Feld am Kappzaum gearbeitet: Schritt und Trab! Das Kruppeherein beherrscht der Kleine jetzt auf beidenSeiten in korrekter Stellung, die rechte Seite fällt ein wenig schwerer. Seit ein paar Tagen haben wir begonnen, vorsichtig, spielerisch und noch relativ unabhängig von Stellung und Biegung, mit dem Gewicht von den Vorderbeinen auf die Hinterbeine hin und her zu schaukeln. Mir ist zunächst nur wichtig, dass Tjardo die Körpersprache dazu schön lesen kann, kein "rückwärts" versteht oder damit dominantes Verhalten verbindet, immer wieder schön nach vorne löst und entspannt bleibt.

Am 29. Juli kommt Sandra uns besuchen und ich werde ihr neben der Arbeit mit Tino auch kurz zeigen, was ich mit Tjardo bisher mache. Ich bin schon gespannt was sie sagt und ich glaube, sie ist ebenso gespannt darauf :-)

 

August 2017

Tjardos erste Unterrichtsstunde war ganz wunderbar! Ich war ganz aufgeregt, was Sandra zu den Entwicklungen sagen würde aber der kleine Mann hat seinen Job ganz souverän gemeistert! Sandra war ganz begeistert und wir freuen uns sehr, ihn weiter wachsen zu sehen! Im Alltag muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass er gerade erst 3,5 Jahre alt ist- sein Können ist seinem Alter jetzt schon voraus. Er ist so eifrig und gelehrig und ich muss ihn bremsen, damit wir nicht zu viel arbeiten. Die letzten Wochen konnte ich ihm quasi dabei zusehen, wie er körperlich zulegt,  Muskulatur entwickelt und jeden Tag runder und schöner wird. Anfang August haben wir Tjardo wieder gewogen: er hat es jetzt auf 420 Kilo geschafft! Das heißt, er hat, seitdem er bei mir ist, 60 kg zugelegt. 

Tjardo hat Anfang August seine Ausbildung zum Handpferd begonnen. Mit einer liebe Stallfreundin, die einen Handpferd gewöhntes, souveränes Pferd und selbst damit viel Erfahrung hat, durfte Tjardo zunächst in der Halle üben, bevor es das erste mal raus ging. Es ist so schön, ihm auf diese Weise noch mehr bieten zu können! Er kann sich auspowern, lernt verschiedensten Situationen im Gelände kennen und übt seinen Körperbewusstsein und seine Trittsicherheit. Mit meinem Tino als Leitpferd wäre das nicht denkbar und so bin ich sehr dankbar, diese Möglichkeit zu haben. Mittlerweile gehen wir in allen drei Gangarten raus, mal bin ich mit Tino dabei, manchmal wird Tjardo alleine mitgenommen- er macht das, wie sollte es anders sein, total souverän! 

Die letzen Wochen hatten wir richtig heiße Tage und so nutzten wir das tolle Wetter, um baden zu gehen. Für uns war es natürlich mehr als das: die erste Gelegenheit, seine erstenFahrtenimPferdeanhänger zu steigern und einmal in der Fremden aus-und wieder einzusteigen.
Das erste Mal verluden wir ihn gemeinsam mit einem Herdenkumpel. Das war eine perfekte Möglichkeit, ihn auch an das gemeinsame Fahren zu gewöhnen. Er machte es prima mit und am Rhein angekommen ging der Spaß erst richtig los! Tjardo entpuppte sich zur absoluten Wasserratte und bevor ich mich versah, schwupps, legte er sich ins Wasser. Die darauffolgende Stunde war er gar nicht mehr aus dem Wasser heraus zu bekommen, er spielte und freute sich am Wasser, so dass zahlreiche Passanten stehen blieben und dem Schauspiel folgten :-) einige Tage später wieder holten wir den Spaß und der Kleine ließ sich auch dieses Mal vollkommen ruhig mit einer Stute aus unserem Stall verladen.

In der akademischen Ausbildung verfeinern wir weiterhin das, was Tjardo bisher schon gelernt hat. Wir arbeiten an verschiedenen Führpositionen, ich kann bereits das Kruppeherein und die äußereSchulter von seitlich hinten abfragen. Im nächsten Monat werde ich ihn an die Zügelarbeit am Kappzaum heranführen, um dann eventuell mit Langzügeln zu arbeiten. Hier muss ich vorsichtig sein, dennmanchmal entwischt ihm bei emotionalen Ausbrüchen, vor allem zum Angaloppieren, doch  noch mal das ein oder andere Hinterbein :-).

Weiterhin machen wir natürlich unsere Spaziergänge, besuchen möglichst alles, was neu sein könnte. Die Kühe sind es jedenfalls nicht mehr :-))).
Kürzlich war Osteopathin und Tierärztin Frau Dr. Sachs da, der ich den Kleinen mal vorstellen wollte. Ich vertraue ihr, sie kennt Tino seit Jahren, auch wenn er sie schon lange nicht mehr braucht. Bisher hatte ja noch niemand Tjardo angesehen. Jetzt, da sein Zustand sich positiv stabilisiert hat, und gerade während der Wachstumsphase seines Gerüsts halte ich es für wichtig, falls notwendig positiv zu unterstützen. Die letzten Wochen konnte ich beobachten, dass seine Zehenweite Stellung der Hinterbeine, die mir anfänglich Sorgen machte, sich zusehends neutralisierte- so hatten es Sandra und Bent prophezeit!!! 
Und tataaa- Frau Dr. Sachs hatte nichts, aber gar nichts an ihm auszusetzen- im Gegenteil! Zwei kleine, jungpferdetypische Blockaden vom Spielen- das war's! Yippie!!!

September 2016

Der Jungpferdetag war ein voller Erfolg!!! Es war Tjardos erster Auftritt in fremder Umgebung, mit fremden Pferden und Publikum. Er hat diesen Tag mit seinen erst drei Jahren gemeistert wie ein Großer! Brav, aufmerksamen und willig hat er gezeigt, was wir schon erarbeitet haben. Auch den anschließenden Applaus nahm Tjardo gelassen und ich glaube auch ein wenig stolz so hin. Er ist also nicht nur ein Seepferdchen, auch ein Show-Pferdchen, ich bin unglaublich stolz auf ihn!

Oktober 2016

Die Arbeit an Kappzaum und Longe wird immer stabiler. Wir sind dabei, die Hinterbeine für das Schulter- und Kruppeherein aus immr mehr Entfernung abzufragen. Hier geht natürlich immer wieder die Stellung verloren aber das ist nun Übungssache. Die erste Versammlung an der Longe klappt auch schon ganz gut, hier fühle ich nur ein paar Sekunden hinein, bevor ich Tjardo wieder vorwärts schicke. Wenn er sich sehr konzentriert, neigt er momentan dazu, etwas "untertourig" zu arbeiten, was ich dann ganz schnell wieder ins Vorwärts auflöse.

Momentan hat er wieder ein wenig "Schnabbelei" im Sinn, weshalb ich das Futterlob stark rationiere. Kraulen am Mähnenkamm findet er als Lob aber mindestens genauso toll!

In die Herde hat sich Tjardo perfekt eingelebt! Mittlerweile sind die Weiden zu und auf dem großen Paddock stehen nun mit ihm 15 Wallache. Es gibt eine Raufe, damit die Pferde durchgehend fressen  können. Das führt natürlich immer mal zu Rangeleien, was mir zu Anfang etwas Sorge bereitete. Aber der Kleine behauptet sich prima, er ist schlau und schnell und geht aus dem Weg, wenn ein ranghohes Tier an das Futter möchte. Mit seinem "Buddy" Shimon hat er einen "Beschützer" an der Seite, der ihm häufig den Weg frei macht. Die beiden sind unzertrennlich. Aber auch mit einigen anderen Pferden ist er immer wieder am Spielen - sogar mit Tino. Natürlich nur, wenn ich nicht da bin, denn sonst möchte Tino ihn nicht bei sich und mir dabei haben. Tjardo hat das ganz genau verstanden, respektiert Tino zwar, fordert aber auch seine Rechte.

Mit der lieben Stallkollegin Maya und ihrem Handpferd-erfahrenen Dancer ist Tjardo oft draussen unterwegs. Mittlerweile in allen drei Gangarten!

Hurra, die Bilder, die der liebe Michael Eimann von uns im August geschossen hat, sind da!

November 2016

Tjardo lässt mich ohne mit der Wimper zu zucken aufsitzen! Einfach so, ganz nebenbei, nur ein paar Sekunden, dann bin ich auf der anderen Seite wieder hinuntergerutscht :-). Eigentlich war es gar nicht wirklich geplant, es ergab sich so. Die letzten Wochen haben wir von allen Seiten das Heranwinken an die Aufstiegshilfe geübt, damit ich wiederum von allen Seiten einen Arm, ein Bein oder meinen Oberkörper auf ihn legen konnte. Das ist für ihn so normal und es ist so entspannt, dass ich fast vergessen hatte, dass er noch nie einen Menschen auf sich sitzen hatte....
Natürlich bleibe ich dabei, dass wir Zeit haben und ich denke nicht ans Reiten, merke aber, dass es vollkommen in Ordnung für ihn ist, wenn wir das Aufsitzen weiter ritualisieren. So wiederholen wir es nur alle paar Tage: Meike oder Claudia haben anfänglich vorne gesichert, mittlerweile üben wir es ganz alleine, denn der Kleine bleibt absolut entspannt. Ich habe Tjardo ein Olivenkopfgebiss gekauft, das er nun alle paar Tage beim Fressen trägt, um sich daran zu gewöhnen. Er nimmt es brav auf und kaut darauf  wild herum, es ist eben noch ungewohnt. Deshalb finde ich die Idee, das Gebiss zunächst mit dem Fressen, also etwas Positivem zu verbinden, ganz prktisch.
Am Kappzaum verfolgen wir weiterhin unsere Übungen und der Spätsommer erlaubt immer wieder schöne Ausritte mit der "ganzen Familie": Maya nimmt Tjardo mit Dancer als Handpferd und Tino und ich begleiten sie :-)
Dezember 2016   
 Vom Boden habe ich begonnen, Zügel in den Kappzaum zu schnallen, und von unten zu "reiten". Er versteht den inneren Schenkel und akzeptiert den äußeren Zügel, als ob er sonst nie etwas anderes getan hätte! Die Seitengänge am Zügel sind kein Problem.
Ich versuche momentan auch im Stand, also  bei maximaler Schwierigkeit bei dem kleinen Zappelphilip, auf der Aufstiegshilfe stehend, von oben mittels Gerte den inneren Schenkel simulierend, das jeweilige Hohlmachen und Abstrecken in die Dehnungshaltung zu konditionieren. Dazu habe ich auch einen Laut konditioniert, den er mit dem Abstrecken nach unten verbindet. Das klappt also auch schon ganz gut. Neulich habe ich das auch erstmalig von oben sitzend ausprobiert- das war schon gar nicht schlecht! Wann immer möglich, nehme ich die Hilfe von Claudia oder Meike hinzu. Wenn vorne jemand steht, ist es natürlich einfacher. 
In der Zwischenzeit ist auch Tjardos "Sattel" , ein Filzsattel von Isabel Seiner, den ich habe in wunderschönem, passendem Braun anfertigen lassen. Damit sieht er schon fast aus wie ein Reitpferd ;-). Ich denke, dieser wird uns auch über die Gewöhnungsphase hinaus in der Anreitphase und auch später gute Dienste tun!
Diese Filzpads geben Stabilität, polstern das Gesäß ab und geben dennoch dem Rücken des sich ständig verändernden Jungpferdes alle Freiheit.
Vor einigen Tagen haben wir begonnen, Tjardo mit mir oben drauf anzuführen. Dies insgesamt maximal 5 Minuten.
Das erste Mal fühlte sich an wie auf der Titanic :-)
Claudia hat ihm Stabilität gegeben durch die ihm bekannte Arbeit von unten und es fühlte sich dann sofort gut an. 
Wir sind nun an der maximal denkbaren Steigerung angekommen: Tjardo geht an der Longe, etwa 2,5 Meter vom Longeur entfernt, mit mir oben drauf. Mehr kann und darf in den kommenden Monaten nicht folgen. Er war bisher jedes Mal vollkommen entspannt, was aber nicht dafür führen darf, dass ich ihn doch zu schnell fordere oder überfordere. Die nächste Zeit werden einfach viele ruhige, sehr kurze Reprisen folgen. Tjardo wird den inneren Sitz immer besser verstehen lernen und seine Balance üben.     


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Kontakt: Reitkunst Rheinhessen - Ece Lara Bayram 

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